Archiv für November 2007

Alter als soziales Konstrukt, Edinburgh, Bloggin? in the wind sowie längere Sendepause

Freitag, 16. November 2007

Ach, diese Geburtstage! Als ob ich groß feiern würde, daß ich lt. Gregorianischem Kalender mal wieder ein Jahr älter geworden bin! Man gewöhnt sich allmählich daran, und da liebe Freunde noch immer annehmen, es gehöre sich, mich mehr oder weniger ironisch daran zu erinnern, schaltete ich den Anrufbeantworter aus und ging eine Woche in Edinburgh spazieren.

Eine großartige Stadt, über der noch immer die riesige Burg thront, und in der am Ende der berüchtigten historischen Meile der Kilt- sowie Kashmerehändler die Queen residiert, wenn sie z.B. herausfinden möchte, weshalb die Royal Bank of Scotland eigene Pound Noten nur für Scots persons drucken läßt.

Da saß ich zufrieden bei M&S, trank meinen Cappuccino und schmökerte im neusten weitgehend mißlungenen Krimi der sonst so großartigen Patricia Cornwell, als mein Handy läutete und Christian besorgt fragte, ob ich noch am Leben sei. Ich hätte schließlich seit Monaten nichts mehr für diesen blog geschrieben.

Recht hat er! Ich bekenne mich schuldig und kann als mildernden Umstand nur anführen, daß ich nach einer sehr tiefen Tiefenmeditation sowie einer Debatte mit meinem Grunz-Lama zu dem Ergebnis gelangte, daß bloggen eine weitgehend sinnlose Tätigkeit ist, die mehr oder weniger freundliche e-mails nach sich zieht, deren Beantwortung ebenso mehr oder weniger Zeit erfordert, wie eine regelmäßige Veröffentlichung in diesem, tja, so empfinde ich es inzwischen, Nullmedium, das in der ZEIT zurecht als elektronische Toilettenwand bezeichnet wurde.

Ich kann mir nicht helfen, solche Logbücher sind Auswüchse jenes übersteigerten Narzißmus, der sinnvoller in einen Roman abgeleitet werden kann. Auch wenn es in unserem Zeitalter der Buchhandelsketten durchaus nicht mehr selbstverständlich ist, für einen halbwegs anspruchsvollen Text einen Verlag zu finden.

Diese Ketten bieten nur an, was sie massenhaft verkaufen können, und da die Masse nun einmal unsäglich blöd ist, richten sich die Einkaufsmanager notgedrungen nach deren Geschmack.
\”EIn gutes Buch ist nur eins, das sich gut verkaufen läßt\”, sagte mir vor ein paar Wochen ein Verlagsmanager. Da bin ich doch glücklich, daß ich von solchen Kandelabern weder wirtschaftlich, noch auf andere Weise abhängig bin.

>/p>Trotzdem! Abgesehen davon, daß Autoren im blog jenes Kapital cent für cent verschleudern, das zwischen Buchdeckel gepreßt Lektoren, Schriftsetzer, Drucker und Buchhändler ernähren könnte, wenn sich die Autoren die Badehose anzögen und in den stinkenden main stream (=Lethe) sprängen ? als Blogger fühlte ich mich zuletzt fast wie die Mutation eines Pawlow?schen Hundes, der jedesmal, wenn der Kalender es verlangte, – nein, nicht etwa Spucke, sondern einen neuen Text abzusondern hatte. Da macht es entschieden mehr Spaß, ein Jahr auf einen Roman zu wenden. Oder mit einer schönen Frau durch den winterlichen Wald zu wandern.

Schluß damit! Wer etwas anfängt, kann auch damit aufhören, und das kündige ich hiermit an, damit niemand mehr annimmt, es ginge mir nicht gut, ich läge auf dem Krankenlager, hätte meinen DSL Anschluß nicht bezahlt oder, noch schlimmer, wäre vom gefürchteten writers block befallen, d.h. der gemeinen Faulheit, die Autoren dem Vernehmen nach von Zeit zu Zeit heimsucht.

Nichts davon! Es macht mir lediglich derzeit wesentlich mehr Spaß, meinen Saft in längere Prosa (oder sonstwohin) zu spritzen als in dieses Logbuch. Ich will keinesfalls behaupten, daß ich nicht irgendwann erneut Lust dazu habe, aber derzeit kann ich nur sagen: Es gibt Wichtigeres zu tun. Legen wir es zur Seite. /p>