Leseprobe aus "Körners endgültiger Anlageberater"
9. "Die gemeine Aktiengesellschaft und ein Stück Anteil daran"

"Eine Aktiengesellschaft ist ein
Großbetrieb, dessen leitende
Angestellte so tun,
als gehöre er ihnen"
(Marshall McLuhan, Kanadier)
Wie bereits am Anfang dieses Buches ausgeführt, müssen zur Produktion
von Gütern die drei Produktionsfaktoren Boden, Arbeit sowie Kapital
zusammenwirken. Ein anständiger Besitzender produziert (wenn überhaupt)
auf eigenem Grund und Boden mit eigenem Kapital.

Wenn er zum Beispiel eine kleine Automobilfabrik gründen will, dann läßt
er einige Quadratkilometer Urwald roden. Ein paar hundert Architekten planen,
ein paar tausend Bauarbeiter ziehen ihm die Gebäude hoch. Dann kauft der
Besitzende (der jetzt zum Unternehmer wird, weil er etwas unternimmt) ein paar
hundert Industrieroboter aus Japan. Er stellt acht Elektroniker ein, die auf die
Industrieroboter aufpassen. Er kauft dünnes Blech und viel Plastik. Schon bald
läuft der erste Kleinwagen "Golem Prolo", das Traummobil der kleinen Sparer,
vom Band, und sie können ihn kaufen.

Aktiengesellschaften produzieren genauso, und es gibt nur einen einzigen
Unterschied: Das Produktivkapital gehört nicht, wie bei der altmodischen und
ehrlichen Einzelfirma, einem Kapitaleigner (oder ihm, dem Bruder, dem Großvater,
aber möglichst nicht der Ehefrau), sondern uns Aktionären.
Der erfahrene Anleger erkennt die
geheimnisvollen Hanzeichen sofort.
Oben: Der Yen steigt.
Unten: Der Yen fällt.
Wenn fünf Besitzende je 20 Millionen aus der Portokasse nehmen, können sie mit 100 Millionen Stammkapital
eine kleine Aktiengesellschaft gründen.

Die Aktie ist also schlicht und einfach eine Urkunde über einen Anteil am Kapital einer Aktiengesellschaft.
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es etwa zweitausend Aktiengesellschaften, und manche Leute
behaupten, die Aktionäre bestimmten nicht nur über die Politik ihrer Aktiengesellschaft, sondern auch darüber,
was in der Bundesrepublik Deutschland geschieht.

Das ist völliger Unsinn, denn dann wäre die Bundesrepublik Deutschland ein viel besserer, anlegerfreundlicher
Staat, in dem es keine Steuern gäbe für diesen Sozialklimbim und das ganze Zeug. In Wirklichkeit bestimmen
die Aktionäre aber nicht einmal darüber, was in ihrer AG geschieht, weil sie das dem Vorstand und dem
Aufsichtsrat überlassen. Sie haben zwar bei der Aktionärsversammlung ein Stimmrecht, aber jeder weiß doch,
wie Demokratie funktioniert. Die Gewählten machen grundsätzlich, was sie wollen.
Was uns Aktionäre interessiert, sind immer Fakten - vor allem der Fakt, daß wir Gewinn sehen wollen, wenn
wir uns mit unserem Kapital irgendwo beteiligen.

Gewinne sind gewöhnlich nur durch Wertsteigerung und/oder Zins zu erzielen. Bei der Aktie ist der Zins nicht
(wie beim "festverzinslichen" Wertpapier) fest vereinbart, sondern er ist von der Höhe des Gewinns abhängig,
den die Aktiengesellschaft in einem Jahr erwirtschaftet.

Wenn eine Aktiengesellschaft so hervorragend geführt wird wie Sandoz, dann gerät schon mal etwas Salz in
einen Bach, aber sie erwirtschaftet trotzdem ausgezeichnete Gewinne. Wird dagegen eine Aktiengesellschaft
eher locker geführt, wie die Volkswagen AG, dann spielen schon mal ein paar Angestellte mit dem Vermögen,
und es gibt weniger hervorragende Gewinne.

Dieser mehr oder weniger hohe Gewinn einer Aktiengesellschaft wird aber nicht einfach an die Aktionäre aus-
geschüttet, denn das wäre höchst unvernünftig, weil er versteuert werden müßte. Deshalb muß jede AG in sich
wachsen Gewinne am besten überhaupt nicht ausweisen und noch weniger versteuern. Wie das der Vorstand
macht, ist seine Sache, dafür wird er bezahlt oder, besser, dafür bezahlt er sich fürstlich.

Unsere Golem Automobil AG investiert die Gewinne, die durch die Produktion des Kleinwagens erwirtschaftet
werden, sofort in neue Produktionsanlagen, und das möglichst steuerfrei. Erneut wird Urwald gerodet, werden
Fabriken gebaut, und alsbald läuft der erste "Golem Pascha" vom Band,der gehobene Mittelklassewagen für
den gediegenen Kleinaktionär.

Durch diese neuen Produktionsanlagen hat sich das Produktionskapital der Golem AG verdoppelt, und wenn
wir unsere Stammaktien jetzt verkaufen wollten, bekämen wir mindestens zwei Millionen dafür. Aber wir verkaufen
sie nicht, weil wir kein Bargeld wollen, sondern Vermögen, das wächst.

Nach Nolds Gesetz werden von jeder Mark Gewinn, die eine Aktiengesellschaft trotz der Bezüge ihrer Spitzen-
manager erwirtschaftet, neunundneunzig Pfennig entweder sofort wie der investiert oder für Notzeiten zurück-
gelegt. Bestenfalls ein Pfennig wird in Gestalt der "Dividende" (= Gewinnanteil, quasi Kapitalzins) an den Aktionär
ausgezahlt.

Das ist keinesfalls böser Wille des Vorstands, wie manche Kleinaktionäre behaupten, sondern höchste Vernunft.
Jeder vernünftige Besitzende will nicht mehr Geld, sondern er will, daß sein Vermögen wächst. Geld will man nicht
bekommen.Man hat es.
Kurztext für schnellen Leserprofit
Aktiengesellschaften sind eine hervorragende Kapital anlage, sofern man die richtigen erwischt. Dividenden
lassen keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität einer Aktie oder die Gewinne der Gesellschaft zu, sondern
ermöglichen nur Rückschlüsse auf die Fähigkeit des Vorstands. Von einer Aktiengesellschaft erwirbt ein
vernünftiger Anleger mindestens eine Aktie mehr als die Hälfte des stimmberechtigten Kapitals, damit er
Vorstand und Aufsichtsrat gelegentlich auswechseln kann.
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